Weltfahrt: Vietnam, Kambodscha, die Roten Khmer und Malaria – Mai 2002


Liebe Freunde!

Die Fahrt geht nun zu Ende. Sieben Monate sind wir durch Asien geirrt und sind nun am Endpunkt angelangt. Seit ein paar Tagen befinden wir uns in Bangkok. Pat wird bald mit seinem Praktikum beginnen und ich werde den nächsten Flieger nach Hause nehmen. Natürlich freue ich mich auf Deutschland, ich habe schon oft an die Heimat gedacht und mich so manchen Abend gesehnt, sie wieder zu sehen. Dennoch, aller Hoch- und Tiefpunkte zum Trotz, hat sich nun eine Gelassenheit in mir eingestellt, die mich wohl noch eine ganze Weile weiterreisen ließe.

In Hanoi trafen wir uns mit Robert und Andreas. Zusammen fahren wir in die touristisch oft beanspruchte Halong-Bucht, die mit ihren vielen felsigen Inseln an einen karabisches Piratenschlupfloch erinnert, besonders, wenn sich der Nebel über das Wasser legt. Wir haben es aber geschafft, einen abgelegen Strand zu finden, und können das Meer nach der arabischen und der südindischen See zum dritten mal genießen. Als nächstes besuchen wir die Familie eines Arbeitskollegen von Robert in Da Nang. Sie nehmen sich unser an und besichtigen mit uns die Umgebung. Schließlich aber wollen wir wandern. So suchen wir uns nach reichlich Hin und Her die Gegend um den Nam Cat Tien Nationalpark in Südvietnam aus.

Die Wanderlust, die so recht in den vielen Stunden in Zug und Bus reifen konnte, treibt uns am Mittag des 8. Märzes von Madagui aus nach Norden. Die Hitze aber scheint dem hoffnungsvollen Anfang gleich den Garaus machen zu wollen. Es ist eben doch etwas anderes, in den Tropen zu laufen, als im frischen Europa. Doch das sind alles nur die Anfangswehen, die sich mit jeder gelaufenen Stunde mehr und mehr in Wohlgefallen auflösen. Die Tage vergehen und es bleiben wunderbare Erinnerungen von schweißtreibenden Märschen, mitlaufenden frohen Kindern, Ausfragungen durch hübsche, kommunistische Funktionärinnen, Armdrücken mit betrunkenen Parteibossen, dem Singen des Vietnam Liedes mit ihnen und dem Wassernotstand mitten im Dschungel. Doch auch diese, den Eindruck von Vietnam als ein Land aktiver und lebensfroher doch ernster Meschen, prägende Zeit geht zu Ende und wir finden uns mit einem mal wieder am Meer im Süden, im einstigen "Paris des Orients": Saigon, das nun zu Ehren des Mannes, der das Land im Kommunismus wiedervereinigt hat, Ho-Chi-Minh-Stadt heißt. Zwar kann man nicht leugnen, daß sie weitaus kosmopolitischer als das provinziell dünkende Hanoi erscheint, doch können wir ihrem Flair nicht allzuviel abgewinnen.

Kambodscha

Am 16. März verlassen uns Robert und Andreas nach der wohl viel zu kurzen Periode des Zusammenfahrens. Nun müssen wir wieder alleine den Weg und das Ziel bestimmen. Um nicht in Faulheit abzugleiten, packen wir gleich am nächsten Tag unsere Sachen und verlassen Vietnam. Am Abend befinden wir uns in Svay Rieng, kurz hinter der Grenze, auf kambodschanischem Boden. Wir halten uns nicht lange auf und fahren mit einem neureichen Kambodschaner in die Hauptstadt. Hier schauen wir uns lediglich ein Massengrab aus der Zeit an, als die Roten Khmer noch das Land beherrschten. Man spricht von einem Steinzeitkommunismus, da die damalige Führung den Kommunismus erst jenseits der Existenz von Währung, Städten, Bildung, Eliten und Minderheiten verwirklicht sah.

Aufregend ist wieder die Fahrt auf dem völlig lächerlich wirkenden Zug, der wie die Ruinen des weltberühmten Angkor Wat dem Verfall preisgegeben ist. Angkor Wat ist freilich hoffnungslos mit Besuchern überlaufen, die meisten machen einen Ausflug vom nicht weit entfernt gelegenen Thailand hierher.

Doch wir haben Fahrräder, und da die Tempelanlage weitläufig ist, können so manchen von vergangner Größe kündenden Ort der Götter- und Götzenverehrung alleine erkunden. Wir entschließen uns in ein abgelegenes Gebiet zu fahren.

Mit dem Pritschenwagen, der das einzige Transportmittel in der Gegend darstellt, geht es in die letzte Festung der Roten Khmer, die erst vor drei Jahren den Regierungstruppen in die Hände gefallen ist, nachdem den Rebellen die Malariamittel ausgegangen waren. Wir wandern auf völlig desolaten Pisten an Panzerwracks und Minenfeldern vorbei und brechen auch wieder aus der Einöde aus. Auf dem nun seichten Mekong fahren wir nach Laos. Auch hier streunen noch viele junge Reisende umher. Wir erkunden den berüchtigten Ho-Chi-Minh-Pfad und schlagen uns schließlich in die Büsche zu den Dörfern, vor denen uns die Laoten warnen.

Malaria

Hier, bei den armen Bergbewohnern, die kein Laotisch sprechen, ißt man Eidechsen, Insekten und die kleinen Fische aus dem nahegelegenen Fluß. Die Kinder stehen lange vor Sonnenaufgang auf, um kleine Tiere zu fangen. Wir bauen uns ein Floß, um den Fluß in unbekannter Richtung herabzuschippern. Doch als wir am nächsten Morgen aufstehen ist daran nicht mehr zu denken. Pat geht es nicht gut. Wir müssen zurück, bis zur Straße. Die letzten Kilometer werden für uns beide zur Qual. Pat hat hohes Fieber und ist völlig orientierungslos. Wir erreichen aber noch die Straße, halten einen Wagen an und sind am Abend in Salavan, wo es ein kleines Krankenhaus gibt. Pat hat die Malaria erwischt und wir müssen eine Woche ausharren. Als er wieder essen kann, fahren wir schnurstracks nach Norden.

In Vientiane und Luang Prabang, der alten Königsstadt, erleben wir das laotische Neujahr, für die Einwohner das wichtigste und auch wohl unterhaltsamste Fest im Jahr. Man spritzt sich gegenseitig mit Wasser voll und die zahlreichen Ausländer sind die beliebtesten Ziele, weswegen sich manche von ihnen auch mit Wasserpistolen ausgerüstet haben. Weiter den Mekong hoch nach Thailand, durch das goldene Dreieck, das einst als Opiumumschlagplatz berüchtigt war, nun aber als Ausflugsort bekannt ist. Wir lassen die Fahrt langsam ausklingen und besuchen Städte wie Chiang Rai und Chiang Mai. Thailand gefällt uns auch wegen der freundlichen und unpretentiösen Behandlung von Ausländern, die hier das tägliche Bild mitbestimmen. Bangkok ist nicht Thailand, doch eine Sehenswürdigkeit für sich.


Wir bedanken uns für Eure Aufmerksamkeit und wünschen mit diesem letzten Bericht allen Lesern, daß sie auch einmal Gelegenheit haben werden, die Fremde zu erleben, am besten als Fahrende und nicht als Reisende. Die Erlebnisse gestalten sich für in einer bündischen Gruppe Fahrende gewiß spannender und tiefer.

Gestern hatte ich Geburtstag und die Regenzeit scheint es dieses Jahr etwas eiliger zu haben.

Horridoh,
Frederic und Pat

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