Durch die Wüste   –   Maroko 2010


  - ©Weinbacher Wandervogel

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Osterfahrt nach Maroko

Grenzenlose Weite! Nichts als Stein, Geröll und Sand. Ein bis zwei Oasen, Nomaden und wir, eine acht Mann große Fahrtengruppe umringt von Tafelbergen mitten in der Sahara. Im einen Moment ist alles noch schön, man genießt die Weite und Leere und bewundert die Natur, doch dann ändert sich alles rasend schnell und man findet sich mitten in der harten Realität der Wüste wieder. Man ist durstig und erschöpft, auf der Suche nach rettendem Wasser, dabei im Unklaren, wo genau das eigentlich zu suchen wäre, denn es ist stockdunkel und die Karte miserabel. Doch dies wäre ja noch erträglich, wenn man vorher wenigstens etwas gegessen hätte. Das einzige was man sieht, sind Lichter von Nomaden, doch einfach querfeldein auf diese zulaufen kann man nicht, denn die Gefahr ist zu groß, sich mitten in der Nacht zu verlieren oder irgendwo Felskanten hinab- oder in verlassene, meist sehr tiefe und ungesichtete Brunnen zu stürzen. So ist das Einzige was wir tun können, weiter auf dem im Dunkeln kaum erkennbaren Weg zu laufen, aufmerksam weiterzusuchen und zu hoffen…


Nachdem wir nun also schon seit einer Woche durch Marokko gefahren sind, vieles gelernt und noch viel mehr gesehen haben, kamen wir zum Höhepunkt unserer Fahrt. Der Marsch durch einen Teil der Steinwüste beim Djebel Rhart südlich von Tazzarine. Wenn man zum ersten Mal in der Wüste ist und schon durch zahlreiche Bücher und Filme einen Eindruck von solcher Landschaft bekommen hat, kann man es nicht erwarten, dies selbst einmal zu erleben. Denn es ist zweifellos eine große Herausforderung körperlich wie auch geistig. Da wir schon seit einigen Tagen fast immer nur im Auto saßen, freuten wir uns sehr auf etwas Bewegung und Action. Denn wir waren sicher, die Wüstenwanderung sollte ein unvergessliches Abenteuer werden. Wir fuhren schließlich zu dem Gebiet, das wir durchwandern wollten und stellten den VW-Bus bei einer netten marokkanischen Familie ab. Es war bereits sehr spät, also entschlossen wir uns erst am nächsten Tag loszugehen. So konnten wir noch mal unser Gepäck und unsere Ausrüstung durchgehen und nutzten die Zeit, um uns genau mit der Karte zu befassen. Doch diese war leider nur eine Schwarzweißkopie, was das Kartenlesen sehr schwer machte.


Wir standen früh am nächsten Morgen auf, um noch möglichst viel Strecke vor der Mittagshitze zu bewältigen und somit die Mittagszeit bei einer Oase verbringen zu können, da es dort hoffentlich Wasser und auch Schatten geben würde. Doch wir wußten nicht sicher, ob die Oase überhaupt noch existiert oder die Brunnen nicht schon längst vertrocknet sind. Unser Weg verlief anfangs über eine Piste, die jedoch mehr Fußpfad als Straße war. Dort wurden einem auch zum ersten Mal die Macht und die Gefahr der Wüste deutlich, da ab und an neben dem Weg die Knochen von größeren Tieren lagen. Da die Piste einen deutlichen Umweg zur Oase machte, entschlossen wir uns dazu, einen Gebirgszug querfeldein durch eine kleine Schlucht und über einen Tafelberg zu überqueren. Der Weg wurde somit spannender aber auch gefährlicher und anstrengender. Die größte Gefahr lag darin, da man meist über Geröll lief, daß man dabei leicht umknicken konnte. Zudem mußte man bald anfangen zu klettern, da es nun durch die Schlucht zweier Tafelberge ging und man dort von einem zum andern Stein springen und oft auch richtig klettern mußte. Als wir schließlich oben ankamen, waren wir von der atemberaubenden Aussicht beeindruckt. Leider konnten wir nicht lange rasten, da die Sonne immer intensiver wurde und wir dort oben zwar ein wenig Wind aber keinerlei Schatten hatten. Da wir von der Felskante weit entfernt im riesigen Talkessel schon die Oase sehen konnten und ab dem Talgrund ein ausgetrocknetes Flussbett einen natürlichen Weg zur Oase bildete, konnten wir nach dem Abstieg über große Felsen und ein langen Geröllhang dem Wadi folgen und beruhigt weiter querfeldein laufen.


Als wir gegen Mittag erschöpft und ausgetrocknet an der Oase ankamen, waren wir überrascht wie gepflegt und schön es dort war. Der kleine Palmenwald bot reichlich Schatten, der Brunnen hatte frisches sauberes Wasser, das durch eine Pumpe nach oben befördert wurde. Zudem gab es winzige Felder, die sehr gepflegt waren und um die sich zwei Marokkaner im Alter von etwa 15-18 Jahren kümmerten. Sie hatten eine Lehmhütte in der sie sich der Mittagszeit ausruhten. Als sie uns sahen luden sie uns zum Tee ein. Wir staunten nicht schlecht als sie auch noch ihr Mittagessen mit uns teilten. Natürlich revanchierten wir uns und schenkten ihnen ein paar Dinge, wie Hemden oder Schokolade. Als die Sonne schon ein wenig tiefer stand und es wieder Zeit war weiter zu ziehen, schauten wir noch einmal auf die Karte, konnten aber auf der schlechten Kopie nicht genau erkennen, wie weit es zu der Oase war, die wir als Tagesziel ansteuerten. Natürlich wußten wir von dort auch nicht, ob es überhaupt noch Wasser geben würde. Wir fragten also die beiden Jungs ob sie sie kannten, und ob sie uns ihren Esel ausleihen würden, damit er unser Gepäck mal wenigstens die nächsten 10 km weit tragen könnte. Sie gingen das Geschäft ein und für umgerechnet ca. 7-8 € luden sie all unser Gepäck auf den kleinen Esel und begleiteten uns bis zu der kleinen, diesmal völlig unbewohnten Oase. Da es bereits anfing dämmrig zu werden, mußten wir uns ziemlich beeilen. Es mußte ein Lagerplatz erkundet und eine passable Wasserschöpfstelle erkundet, sowie Feuermaterial gesammelt werden. Holz gab es gar nicht, dafür aber viele getrocknete Palmwedel. Diese von den Palmen abzubrechen war aber mühsam und gab zerstochene Hände. So reichte es nicht für ein abendfüllendes Feuer, aber gut zum kochen, so daß wir unsere Benzinvorräte schonen konnten.

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