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Mit dem Drachen im Nacken – Sommerfahrt 2010 |
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Sommerfahrt nach Griechenland
Die Sonne schien uns auf den Bauch, das Wasser umspülte unsere Gliedmaßen und der Fahrtwind der Fähre säuselte sanft um unsere Nasen. Ein angenehmer Anfang für eine Fahrt. Wir waren nach Venedig getrampt und befanden uns nun auf dem Deck der Olympia Palast, die im Begriff war die Adria zu durchkreuzen und deren hinters Deck wir soeben mit einem Gartenschlauch geflutet hatten. Das Ziel Griechenland, Igoumenitsa. Angekommen im heißen Griechenland machten wir uns auf den Weg ins Pindos-Gebirge. Am Rande der Vikos-Schlucht schlugen wir unser Lager auf. Ein antikes Amphitheater bot eine imposante Kulisse für unser Abendmahl.
Die Morgensonne stand noch kaum am Himmel, als wir uns anschickten, die tiefste Schlucht der Welt zu durchwandern. Ein langer strapaziöser Marsch über die mächtigen Steine des ausgetrockneten Flussbettes unter der brennenden griechischen Sonne zehrte an unseren Kräften. Selbst die Fauna floh nur träge vor unseren Schritten. Aufgescheuchte Eidechsen, Schlangen und Schildkröten suchten das Weite, während sich die Felswände der Schlucht immer weiter gen Himmel reckten. Endlich ein Ort zum Rasten. Hinter einer Biegung des Flussbettes brach klares Quellwasser aus dem Berg und sammelte sich in Steinbecken. Den Eidechsen gleich lagen wir auf den heißen Felsen und kühlten uns in dem eiskalten Quellwasser ab. Erfrischt wanderten wir weiter zum Ende der Schlucht und kochten uns unser Abendessen.
Weiter ging es hinauf zu kleinen Bergdörfern und des Nachts konnten wir am Hang die Schäfer ihre Weisen singen hören. Wir wollten den Bergsee „Drakolimni“ erreichen, den sagenumwobenen „Drachensee“. Dort angekommen fanden wir jedoch keinen Drachen. Stattdessen trafen wir dort viel heimtückischere Wesen. Abertausende blutrünstige Insekten vertrieben uns rabiat und wir mussten Hals über Kopf die Flucht ergreifen. Wir rannten den Berg, den wir vorher so mühsam hinaufgestiegen waren, nun eilig wieder hinab ins Tal. Kaum hatten wir diese Gefahr hinter uns gelassen, hörten wir hinter uns ein Grollen. Als wir uns umsahen, verstanden wir, warum die Eingeborenen diesen See Drachensee nannten. Zwischen den Felsen brach eine tiefschwarze Wolkenwand hindurch, aus der man markerschütterndes Donnern und helle Blitze vernehmen konnte. Dort musste ein Drache wohnen. Mit dem Untier im Nacken versuchten wir, dem plötzlich aufziehenden Sturm zu entkommen. Über uns prasselte der Regen und vor unseren Augen tat sich ein schrecklicher Abgrund auf. Ein notdürftiger felsiger Pfad schlängelte sich am steilen Hang in die Tiefe. Die rutschigen Steine boten kaum Halt und immer wieder rutschten unsere Füße ab. Doch wir mussten weiter. Dem Gewitter entkommen und einen Lagerplatz finden, bevor die Dunkelheit kommt. Unter den Ponchos bereits nass geschwitzt, stolperten wir weiter den kaum erkennbaren teilweise verschütteten Wanderpfad entlang, der unserer Karte zufolge zu einem kleinen Kloster führen sollte, in dem wir hofften, Schutz zu finden. Wir wanderten nun bereits seit Stunden. Hoffnungsvoll entdeckten wir einen Felsvorsprung, dessen Untergrund sich jedoch als zu steil herausstellte. Um uns Nebel. Gerade ein paar Meter konnten wir vor uns den Weg sehen und trotteten weiter. Blitze durchzuckten den Nebel, Donner folgte. Wir hörten, wie scheinbar riesige Steinbrocken aus den steilen Steinwänden brachen und dröhnend in die Tiefe stürzten. Es wurde dunkel und wir fanden auf einen Weg, der vermutlich hinab ins Tal zu führen schien. Immer tiefer stiegen wir hinab zwischen den hohen Nadelbäumen. Wir rutschten mehr den nun matschigen Pfad als zu laufen und rissen unsere Hände an den Steinen auf. Als umgestützte Bäume den Weg versperrten und wir in der Finsternis nichts mehr erkennen konnten, suchten wir uns einen halbwegs ebenen Fleck. Durchnässt und vom kalten Wind zitternd dachten wir an das sonnige Griechenland, das wir kennen und lieben gelernt hatten. Notdürftig aßen wir eine Kleinigkeit und legten uns unter unseren Ponchos schlafen.
Am nächsten Tag weckte uns eine fröhlich scheinende Sonne und es stellte sich heraus, dass wir nur einige hundert Meter vom bereits erwähnten Kloster genächtigt hatten. Wir verbrachten einige Zeit bei dem alten Mönch, der dieses Kloster in den Bergen bewohnte, streiften durch das Land und lernten Land und Menschen kennen. Kaum hatten wir den letzten köstlichen Schluck aus einem kalten klaren Bach getrunken, befanden wir uns schon wieder am Hafen und warteten mit der untergehenden griechischen Sonne auf das Schiff, das uns nach Hause tragen sollte.
Jojo, Nero
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