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Grüss mir die Heimat, Grüss mir mein Rhönerland – Wintertippel |
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Weihnachten wart mal wieder vorbei, die Bäuche rund und saftig gefüllt von Mutters Kochkünsten und die Staufenberger Schar zog hinaus zum Wintertippel zwischen den Jahren. Die Rhön war das Ziel und nach kurzer Reise fanden wir uns wieder im schönen, eiskalten Gersfeld. Die Sonne schien durch das gleißende Blau des Dezemberhimmels und wir tippelten los. Eine Mannschaft von acht Kameraden, Affen und Gitarren. Nach einiger Zeit redseligen Wanderns waren wir von einer Aussicht belohnt, die einfach einmalig war. Wir standen auf einem Bergrücken, die Sonne war im Begriff ihr letztes Licht auf die Erde zu werfen und tauchte alles in ein friedliches Rotorange, während im Tal schon die Nebel der Nacht empor zogen und mit seidenen Tüchern die Welt unterhalb der Berge einhüllte.
Am dunkelnden Blau über uns zogen Flugzeuge weiße Bänder hinter sich her, derweil wir ein frisches "Wo wollt ihr hin" anstimmten. Ein wundervolle Atmosphäre, die uns vergessen ließ, daß die Nacht nicht wartet mit ihren kalten, schwarzen Fingern, und so war es auch nur einen Moment später, das wir uns im finsteren Wald ein Plätzchen suchen mußten. In einer Kuhle am Waldrand legten wir uns unter den sternbedeckten Himmel und ein jeder genoß noch die letzten Blicke auf die funkelnden Zeichen einer kalten Nacht, bevor sich der Vorhang des Tages zuzog. Am Morgen war die Überraschung groß, als wir in mitten von Schneegestöber aufwachten. Die Schlafsäcke eingeschneit und die Landschaft die gestern noch voller Kontraste war, lag verhüllt unter einer Schicht von Schnee, die von einem eisigen Wind hin und her geblasen wurde.
Das sowieso undankbare Aufstehen aus einem warmen Sack voller Daunen wurde zur Qual. Allerdings macht auch ein Frühstück im Schneesturm keine wirkliche Freude und so brachten wir die morgendliche Essensaufnahme schnell hinter uns, schwangen uns in die Wanderschuh und stapften langsam auftauend durch die osthessische Winterlandschaft. Es ist einfach immer wieder ein Traum; dieses "auf Fahrt sein". Die Wanderung war ein purer Genuß, über Felder auf denen der Wind bizarre Konzerte in den Büschen veranstaltete, durch Wälder die man sich noch gestern nicht mit Schneemantel vorstellen konnte, die aber über Nacht in weiße, stille Winterwälder verwandelt waren, in denen die fallenden Schneeflocken alles an Lärm erstickten.
Eine große Höhlenformation war unser Ziel für die Nacht, hätte es doch diesem Tag einen unvergleichlichen Abschluß gegeben. Die Nacht kündigte sich auch schon langsam an, als wir die Höhlen erreichten. Zu unserer Enttäuschung war es nur ein kleiner Schacht an einer Schlucht, der zu dem großen Höhlenreich als Eingang diente, leider aber verschlossen von Gitterstäben. Das schöne in solchen Situationen ist aber, daß, obgleich der erwartete Ruheplatz für die Nacht sich als Niete entpuppte, keine miese Stimmung aufkam, schließlich ist so etwas schon zig Male vorgekommen. Es war also weiterhin unbekannt wo das Nachtlager stehen sollte, aber es wurde gescherzt und gelacht, eigentlich nicht zu verstehen, aber eben mit der Gewißheit, daß man noch etwas schönes finden wird, begründet.
Tatsächlich erspähten wir beim Weiterlaufen auf einer großen Weide mitten im Wald einen Schuppen. Es war nicht der komfortabelste Ort für die Nacht, aber wir waren geschützt vor dem Wind hinter dem Unterstand floß noch ein kleines Bächlein. Alle Zutaten die es für einen schönen Abend braucht hatten wir also und so sangen wir noch tief in die Winternacht hinein. Die weiteren Tage brachten noch viel Abwechslungsreiches.Erst erreichten wir ein kleines Nest im Nichts, wo es aber eine sehr nette Gruppe von DPSG-Pfadfindern gab, die uns in ihrem nobeln Heim willkommen hießen. Am Abend lernten wir das Kreuzberglied, welches vom Auf und Abstieg zum berühmten Rhöner Kreuzberg handelt, an dessen Spitze ein Kloster steht, welches eigenes Bier braut. Es war ein lustiger Abend und am nächsten Tage führten wir gleich unser neu gelerntes Lied vor,
in den von Kaffeefahrtennutzern brechend vollen Stuben des Klosters. Reich wurden wir zwar nicht, aber das Klosterbier wurde uns spendiert. Der Abstieg forderte einen ganzen Mann, so heißt es in der letzten Strophe des sehr eingängigen Schlagers und auch wir hatten gewisse Mühe uns im Dunkel gen Tal zu bringen. Als das geschafft war, waren wir allerdings inmitten eines Dorfes, das sich nicht des touristischen Einflusses des Kreuzberges entziehen konnte und so waren unsere Gesuche nach einem Schlafplatz mit professionellem "Nein" abgeschmettert. In einer grauen Garage mußten wir unser letztes Nachtlager aufschlagen, in der der Putz nicht nur auf uns sondern auch auf einen tiefergelegten Golf blätterte. Aber wies gegeben wirds genommen, mags auch wieder anders kommen. Es war wahrlich eine abwechslungsreiche Winterfahrt gewesen!
Daniel
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