|
Osterfahrt der Nibelungen – Harz 2004 |
|
"Ich habe euch gewarnt," antworte ich auf das Jammern der Pimpfe, "weil wir gestern früher Lager gemacht haben, müssen wir heute weiter laufen. Und ihr wart auch damit einverstanden." Und Sergej, der wie immer vorne weg läuft, als wäre es das natürlichste der Welt einfach zu wandern: "Warum seid ihr denn überhaupt dabei? Es zwingt euch doch niemand mit auf Fahrt zu gehen, wir gehen ja auf Fahrt und wandern, weil wir es gerne tun." Ein Murren bekundet, daß sie zwar nicht widersprechen, aber dennoch, ob der vielen Kilometer, die wir heute schon hinter uns gebracht haben, erschöpft und unwillig sind. Das merke ich, lasse sie aber nicht weiter auf dem Thema rumreiten. Statt dessen erzähle ich etwas von dem Weg auf dem wir gerade laufen. Es ist dies ein mit Betonplatten ausgelegter ehemaliger Patrouilleweg, auf dem zu Zeiten der deutschen Teilung Grenzwächter entlangfuhren. Er zieht sich über Kämme und durch Täler, oft steil, dafür aber in schöner Landschaft.
"Wißt ihr, wo hier West- und wo Ostdeutschland lag?" Fragende Gesichter. Was es mit der deutsch-deutschen Grenze auf sich hatte und warum es sie heute nicht mehr gibt, das ist ihnen kein Begriff, sind sie doch alle nach dem Fall der Mauer geboren und haben nichts von dem Dilemma der jüngeren deutschen Geschichte mitbekommen. Auch ich war erst zarte neun Jahre alt, als sich die segensreiche Wende vollzog. Ich erzähle, was ich aus dem Geschichtsunterricht weiß, merke aber bald, daß das nicht interessiert. Es ist einfach nicht die eigene
Geschichte der Jungs und ein Nachfühlen der gewaltigen Ereignisse ist wohl erst mit höherem Alter möglich. Mir aber fährt ein Schauer übers Gesicht, als ich der Bedeutung des Weges, auf dem wir zu frühjahrshafter Fahrt wandeln, gewahr werde.
Der Tag wechselt von sonnig zu schattenhaft und unsere Stimmung von erschöpft zu frohgemut. Es ist noch nicht spät, als wir nach einem gewaltigen Marsch von bestimmt zwanzig Kilometern über die Hügelketten des Eichsfeldes den ersehnten Bach erreichen. Und besonders stolz bin ich auf Lars, der gestern versprochen hatte, er wäre bereit die zusätzlich Strecke heute nachzuholen und sein Versprechen mit den anderen tapfer eingehalten hat. An dem Lauf des kühlen Baches errichten wir drei Kröten und bald auch dampft der Kochtopf überm Feuer. Das deftige Essen haben wir uns nach einem Tag des Laufens gut verdient und Tack wartet noch mit einer Überraschung auf: er hat ein feines Dessert mitgebracht, welches wir uns gerne munden lassen wollen. Doch da! Beim Ausschenken des Tees kippt etwas auf Lars Bein! Da schreit er laut auf, ich innerlich. Schnell mit ihm an den Bach, kühles Wasser drauf und warten.
Wir sitzen wieder am Feuer, ein Verband ist um die aufgeplatzte Brandblase, Lars hat sich gefaßt und beim Dessert und den Fahrtenliedern ist der Schmerz bald vergessen. Kein Jammern, nur Zähne zusammenbeißen, wie es bloß ein echter Junge kann!
...
Mehr...! Den gesamten Artikel werden wir hier im Netz erst nach seiner Veröffentlichung im nächsten Leiermann einstellen. Solange müssen wir Euch noch um ein wenig Geduld bitten.
Freddy
![]() |
![]() |
![]() |
© 2001 - 2012 Weinbacher Wandervogel (Impressum), Kontakt: bund@weinbacher-wv.de, Letzte Änderung: 2011-07-28 10:30