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Tschiree macht die See... – Falado 2003 |
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Nächtliche Ruderwache auf der Falado
Kaum eingeschlafen werde ich auch schon wieder aus meiner Ruhe gerissen. Ist es denn schon Mitternacht? Ich sehe mich verdutzt um. Muck steht vor meiner Koje und erklärt mir, dass zwar erst in einer halben Stunde Wachwechsel sein wird, aber vorher noch eine Wende gefahren werden muss. Zu diesem Manöver, bei dem das Schiff mit dem Bug durch den Wind dreht, um in anderer Richtung weiterzusegeln, braucht man viele Mann, um alle Segel entsprechend der neuen Fahrt- und Windrichtung auszurichten. Also begebe ich mich noch etwas müde an Deck, wo mich ein lauer Nachtwind und tausende funkelnde Sterne empfangen.
Wir befinden uns an Bord der "Falado von Rhodos" und durchkreuzen die Ägäis, das Meer ihrer Heimat. Von Volos aus sind wir losgesegelt und bis zwischen die Inseln Skiathos und Skopelos gelangt. Wir haben uns entschlossen jene Nacht durchzusegeln, da wir noch einen gewissen Seeweg zurücklegen und auch diesen Aspekt des Segelns erleben wollen. Zum Glück sind wir ja im sommerlichen Griechenland, wo die Nächte warm sind, ja es ist sogar viel angenehmer im silbernen Mondlicht an Deck zu stehen, als in der gleißenden Mittagshitze.
Ich blicke mich um und sehe, dass Steuerbord voraus die Insel Skopelos schon sehr nahe gekommen ist und wir direkt darauf zusteuern. Wenig später gibt der Skipper auch schon das Kommando "Klar zur Wende!" und ich bin sofort hellwach. Wir haben die Wende zwar schon ein paar Mal tagsüber durchgeführt, aber im Dunkeln, das nur von den Lichtern der Inseln und des Himmels durchbrochen wird, ist es trotzdem etwas Besonderes.
Es gibt mir ein gutes Gefühl, dass wir die Segelmanöver durch die gemeinsame Mannschaftsleistung, auch "blind", d.h. wenn man selbst im hinteren Teil des Schiffes ist und die Anderen vorne nicht genau sieht, durchführen können. Wenn jeder seine Aufgabe verantwortungsbewusst erledigt und somit seinen Teil zum Ganzen beiträgt, und man weiß, dass man sich aufeinander verlassen kann, dann kann man sehr viel bewegen. So ist das hier auf der Falado, aber auch auf anderen Fahrten und allgemein in unserem Bund. Das ist etwas sehr Wichtiges, was es zu beherzigen gilt, und was uns auch auszeichnet.
Die Wende ist vollzogen und wir steuern das erste Mal aufs offene Meer zu. Die alte
Wachmannschaft legt sich in die Kojen und Alex, Robert und ich beziehen unseren Posten am Steuerrad. Da wir nur zu dritt in der Mannschaft sind, teilen wir die vierstündige Wache nicht auf, sondern stehen sie zusammen durch.
Das Wort "durchstehen" deutet schon darauf hin, dass diese Wache nicht besonders beliebt ist, da die Zeit von Mitternacht bis vier Uhr morgens die beste zum Schlafen ist. Ich hatte mich schon gefragt, warum wir ausgerechnet diese Nacht durchsegeln wollen, in der unsere Mannschaft Ruderwache hat. Doch jetzt sitze ich neben Alex auf der Bank, während Robert am Steuerrad steht und wir sind alle drei froh, dass es diese Nacht ist, in der wir durchsegeln.
Der Wind streicht uns beständig, aber mild durch die Haare und es ist immer noch sehr angenehm nur mit Hemd und kurzer Hose bekleidet an Deck zu sitzen. Die Stimmung dieser Sommernacht auf hoher See durchdringt uns alle und ich beginne einige Seemanns- und Abendlieder auf der Klampfe anzustimmen. Die anderen beiden lauschen, wie sich der Gesang und das Rauschen von Wind und Wellen zu einer Melodie vermischen, die uns umhüllt.
Die Brise lebt nun immer stärker auf und greift in unsere vollen Segel. Wir machen das erste Mal seit dem Lossegeln in Volos richtig Fahrt. Sieben Knoten, wie uns auch unser Skipper Daniel bestätigt, der gerade an Deck gestiegen kommt, um den Kurs zu überprüfen. Auch für ihn bedeutet diese Nacht nicht viel Schlaf, da er immer wieder kontrollieren muss, ob Kurs und Fahrt noch nach Plan verlaufen.
Alex und ich haben uns derweil auf den Rücken gelegt und beobachten, wie der Großmast zwischen den zahllosen, funkelnden Sternen hin- und herwandert. Da merkt man erst einmal, wie stark das Schiff eigentlich schwankt. Poseidon gibt uns eine Kostprobe von der Kraft, die in seinem Reich verborgen liegt und wir
nehmen sie voller Spannung und Abenteuerlust an.
Am Steuer stehend wird mir dann bewusst, dass es gar nicht so leicht ist bei vollen Segeln die Falado auf Kurs zu halten, so wie es am Tag bei nur leichtem Wind den Anschein hatte. Doch genau in dieser Herausforderung liegt auch die Freude, die ich nun empfinde, all diese Kräfte, die um mich herum wirken, in gewissem Maße zu lenken.
Das Steuer in den Händen und die Planken unter den Füßen durchfährt mich ein hauch von Seefahrer- und Entdeckerromantik. Ich wünsche mir, dass diese Nacht noch nicht so schnell vorbeigeht.
Felix
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