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Quartier bei Onkel Ho – Vietnam 2002 |
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Großfahrt nach Vietnam und Treffen mit den Weltfahrern
In den Reisfeldern
Die Sonne brennt heiß und feucht-heiß ist auch die Luft. Wir schwitzen wie in der Sauna und müssen dennoch weiterlaufen. Aus der Zelluloidfiktion vieler Vietnamfilme ist ein bißchen Ernst geworden. Dennoch, wir wollten das ja, wir haben uns unser Hiersein ja selbst ausgesucht...
Wenn es doch nur nicht so heiß wäre. Bisweilen lösen sich Schweißtropfen aus den feuchtigkeitsgesättigten Augenbrauen und rinnen in die Augen, was unangenehm brennt. In solchen Momenten spürt man wenigstens nicht den drückenden Rucksack...
Seit vielen Kilometern marschieren wir nun schon auf dem schier endlosen Straßendamm. Rechts reihen sich kleine Häuschen wie an einer Perlenkette an der Straße entlang. Das Baumaterial ist meist Holz, die Dächer sind mit Stroh oder Blech gedeckt, Gänse- und Entenställe gruppieren sich darum. Es sind nicht die reichsten Leute, die hier wohnen.
Zwischen dem Straßendamm und dem kleinen Wall, auf dem die Häuschen stehen, liegen sumpfige Teiche, auf denen bisweilen aberdutzende Enten paddeln. Hinter den Häusern erstrecken sich in dem ausgedehnten Talkessel Reisfelder.
Erst weit am Horizont steigen bewaldete Anhöhen empor. Auf der anderen Seite des Dammes sieht es kaum anders aus, nur daß hier keine Häuser sind, sondern die Reisfelder gleich unterhalb der Straße beginnen. Vor uns erheben sich, glücklicherweise gar nicht mehr so weit entfernt, große dschungelbewachsene Hügel aus der weiten Ebene. Es sind nur noch wenige Kilometer bis dorthin, man kann auch schon eine Ansammlung weiterer Häuschen erkennen, wohl ein Dörfchen.
Die lange Strecke über den Damm ist bisher der langweiligste Teil unserer Wanderung, zuvor war die Landschaft abwechslungsreicher, wand sich die Straße doch durch Dschungel und Hügel und kam an einer Reihe kleiner Dörfchen vorbei.
Doch momentan ist es einfach nur heiß und öde, selbst die Wasserbüffel mit ihren großen, geschwungenen Hörnern, die manchmal fast bis zum Bauch im Schlamm stehen oder einen Pflug ziehend durch die rechteckigen, unter Wasser stehenden Reisfelder waten, bieten kaum Abwechslung, eher die Jungs, die uns zu Fuß oder auf Fahrrädern folgen. Mit ihnen machen wir so manchen Spaß, wenngleich Unterhaltungen wegen fehlender Englisch- bzw. Vietnamesischkenntnisse nicht in Gang kommen.
Trotzdem zieht sich der Weg wie Gummi, das haben solch lange Dämme, auf denen man schon kilometerweit vorausschauen kann, so an sich. Bisweilen breitet sich ein bis zu 50m langer Reisteppich auf der Straße aus. Nebenan im Gras hockt der dazugehörige Bauer oder dessen Söhne und warten darauf, daß, die allerdings selten vorbeikommenden Fahrzeuge, den Reis beim darüberfahren aus der Spreu dreschen. Auch eine Methode, bei der man allerdings Geduld haben muß!
Endlich erscheint der Wald greifbar nahe, lassen sich schon einzelne grüne Dschungelriesen gegen den blauen Horizont erkennen. Inmitten des kleinen Dörfchens, dort, wo die Straße sich am Fuß des Hügels sanft in eine Linkskurve windet, gibt es etwas zu trinken. Endlich! Mit hochroten Köpfen und schweißnassen Hemden werfen wir unsere Rucksäcke in die Ecke und lassen uns unter dem Bastvordach auf kleinen Holzstühlen nieder. Coca Cola, das Getränk des Klassenfeindes, ist das einzige, was es hier gekühlt gibt. Her damit, gleich zwei, drei Flaschen für jeden. Dazu noch ein wenig Obst, da kommt man schon bald wieder zu Kräften. Wir wollen hier einen Augenblick rasten und die größte Mittagshitze abwarten.
Langsam kehren die Kräfte zurück und es hält mich nicht lange auf den Stühlen. Zu sehr lockt der nahe Dschungel. Zusammen mit Pat und mit einem Gefolge von 20 Jungs und ein paar Mädchen steigen wir auf einen Hügel hinauf. Zuerst windet sich der schmale Pfad durch überzweimannhohes, trocknes Schilf- und Bambusgewächs, dann in der Nähe des Gipfels mischen sich zunehmend mehr Bäume und Sträucher dazwischen. Man kann kaum drei Schritt weit sehen und muß beständig über Bäume und Lianen steigen und sich durch Gebüsch zwängen. Mühelos folgen uns die Jungs, die ja fast alle ohne Schuhe und meist nur mit kurzer Hose bekleidet sind, auf unserem Weg. Sie scheinen nicht die geringste Angst vor Schlangen oder anderem Giftzeug zu haben, aber auch wir schauen kaum noch, wo wir hintreten oder fassen, zu sehr haben wir uns schon an die Umgebung und das Land gewöhnt.
Immerhin haben wir aber feste Schuhe an, aber ebenso wie die Kinder nur kurze Hosen, und wir haben die klebenden, nassen Hemden ausgezogen. Unsere Begleiter rätseln wohl darüber, was wir mit unserem kleinen Ausflug ins Gehölz vorhaben, aber sie folgen uns und pflücken uns hier und da mal etwas Eßbares, Unbekanntes vom Baum.
Von einzelnen lichten Stellen hat man einen phantastischen Blick auf die hinter uns liegende Ebene und auf den vor uns liegenden, schier endlosen Urwald, in dessen grüner Decke, an den Bergrücken der vielen Hügel oder in den Tälern einzelne schmale Pfade zu erkennen sind. Vielleicht ein Teil des HoTchiMinh-Pfades?! Wie gern würden wir uns ins noch größere Abenteuer stürzen und einfach ins grüne Unbekannte loswandern. Doch es wäre gegen jede Vernunft! Wir reizen ja das Schicksal so manches mal und auch der eingeschlagene Weg, entlang der kleinen Straße, ist ja nicht ganz ohne, zumal wir keine Karte besitzen. Nicht mal eine Straßenkarte! So laufen wir nur nach Intuition und fragen öfters Leute. Unser Ziel ist ein Nationalpark, von dem aus wir dann wieder mit Bussen weiter in Richtung Saigon fahren wollen.
Unter dem Gejohle unserer Begleiter erreichen wir nach einer Weile einen Fahrweg und schlagen wieder die Richtung zu unseren Kameraden ein. Ein Bauer winkt uns in sein Haus, das sehr luftig, nur aus Holz gebaut ist und nur aus einem einzigen Raum besteht. Wir trinken zusammen Tee und schauen uns um. Es gibt hier nur sehr einfache Gerätschaften und nur zwei, dafür aber etwas breitere Betten. Insgesamt leben hier wohl drei Generationen unter einem Dach.
Zurück bei den andern, wird es Zeit, wieder aufzubrechen. Die Uhr ist schon ein ganzes Stück weitergelaufen und wir haben bis zum nächsten Dorf noch ein tüchtiges Wegstück vor uns. Glücklicherweise haben die Vietnamesen seinerzeit die lateinische Schrift übernommen, so können wir wenigstens die Straßenschilder an den Ortseingängen und die Entfernungsangaben lesen.
Der Weg ist jetzt wieder abwechslungsreicher und zieht sich durch die bewaldeten Hügel. Natürlich folgt uns wieder eine ganze Kinderschar, doch spätestens ein paar Kilometer hinter den letzten Häusern werden sie uns wieder verlassen und umkehren. Offenbar sind die Gemarkungsgrenzen irgendwie magisch und dürfen nicht überschritten werden, denn seit wir laufen machen wir diese Beobachtung.
Man glaubt es kaum, was man mit einem Fahrrad so alles transportieren kann. Gelegentlich ganze Baumstämme auf dem Gepäckträger, manchmal Mehlsäcke, oder Käfige mit einer ganzen Hühnerschar und sogar ausgewachsene Schweine, für die es extra röhrenförmige Körbe gibt, in denen sie auf dem Gepäckträger quer zur Fahrtrichtung liegen.
Das meiste Zeug wird aber wohl zu Fuß transportiert, als nächsthäufigstes Verkehrsmittel sieht man Fahrräder, dann Karren mit Wasserbüffeln davor und selten kleine, putzige Lkws, die offensichtlich im Lande selbst zusammengeschweißt wurden und fürchterlich rauchen und stinken. Auf den großen Straßen begegnen einem auch viele IfA-Laster aus der DDR, hier auf dem Lande allerdings nur sehr selten. Autos sieht man kaum.
Von einem Hügel aus können wir wieder ein Stück über das Land schauen. Jenseits eines Flusses beginnt dichter Dschungel, mit mächtigen Urwaldriesen. Dorthin zieht es uns! Ob das vielleicht schon der Nationalpark ist, wer weiß, doch wir müssen der Straße folgen, denn der Fluß ist unüberwindbar und die grüne Hölle offenbart uns keine Schlupflöcher.
Zu Nacht im Parteibüro
Als wir das kleine Dörfchen erreichen, dämmert es bereits. Ob wir hier übernachten können? Wir wissen, daß das sehr schwierig werden dürfte, denn es ist Privatleuten streng verboten, Ausländer im Haus aufzunehmen. Wir haben da in den letzten Tagen schon unsere Erfahrungen gesammelt. Das Genehmigungsverfahren, unsere zwei Moskitozelte bei einem Haus aufbauen zu dürfen, bedurfte stundenlanger Verhandlungen mit der zivilen Polizei.
Aber irgendwo müssen wir ja hin, denn Hotels oder Pensionen gibt es in dieser tourismusfernen Gegend ja nicht, und zumindest auf Wasser sind wir ja angewiesen. Einfach draußen übernachten geht auch nicht, da ja praktisch überall irgendwelche Häuser stehen oder zumindest Leute sind. Wir beschließen erst einmal essen zu gehen, was man fast allerorten in den kleinen Garküchen ganz gut kann.
Was wir erhofft haben, tritt schließlich ein, zwar hat man uns, als wir nach einem Quartier fragten, erst einmal wieder weiterschicken wollen, doch als Freddy dann einem arg verletzten Jungen unter den Augen einer großen Menschentraube das Bein verbindet, ändert sich die Situation. Ein älterer Mann tritt zu uns, und stellt sich als Bürgermeister und Parteichef des Ortes vor und bietet uns schließlich an, über Nacht hier im Ort bleiben zu dürfen.
Die Verständigung ist sehr schwierig und so zieht es sich wieder ziemlich lange hin, bis wir schließlich in das örtliche Parteibüro geführt werden, wo wir auf dem Boden unsere Schlafsäcke ausrollen können. Es ist ein langer schmaler Raum, an dessen Ende vor einer großen roten Fahne, wie auf einem Altar, eine HoTchiMinh-Büste aufgebaut ist.
Waschen im Tropenfluß
Die Situation gefällt uns, nur daß es keine Waschmöglichkeit gibt, ist bedauerlich. Doch wir brauchen nicht danach zu fragen, man sieht es uns an und wird es wohl auch riechen, das wir so verschwitzt und staubig nicht in die Schlafsäcke krabbeln wollen. Ein junger Mann, der sich als Sportlehrer der örtlichen Schule vorstellt, spricht ein ganz klein wenig Englisch. Er bedeutet uns, das Waschzeug mitzunehmen und führt uns durch die späte Dämmerung zum nahen Fluß.
Am Fuß des Steilufers stehen bereits ein paar Leute im Wasser und waschen sich. Eine schöne Überraschung, wir sollen uns also im Fluß waschen! Dabei steht doch in allen Reisehandbüchern, daß man in den Tropen nicht in solche Gewässer steigen soll. Wer weiß was man sich dort alles einfangen kann, denn das Wasser ist nicht klar und frisch, sondern eher lauwarm und trübe.
Doch was sollen wir machen, ein bißchen säubern müssen wir uns ja, dazu hatten wir nämlich schon gestern abend keine rechte Möglichkeit! Also, hinein!
Droben, auf der alten Eisengitterbrücke, die uns in größerer Höhe überspannt, versammelt sich immer mehr Volk und schaut zu. Alle die sich hier unten waschen, tun das mit Unterhose, so halten wir uns auch an diese Regel. Aber am Ende entkleiden wir uns zwecks gründlicherer Waschung doch noch ganz, tauchen aber sogleich in der undurchsichtigen Brühe unter, nicht ohne vorher noch das Raunen der Zuschauer zu hören. Ein bißchen frischer fühlen wir uns jetzt doch, und so versammeln wir uns kurz darauf wieder im Parteibüro.
Vietnam, Ho Tschi Minh! Vietnam, Ho Tschi Minh! ...
Außer dem Bürgermeister und ein paar weiteren Parteisekretären und Sekretärinnen und natürlich dem obligatorischen Polizisten in Zivil, der sich auch als solcher vorstellt, ist noch eine Englischlehrerin gekommen, so daß wir uns ab jetzt recht gut unterhalten können. Wir erzählen ein bißchen, werden viel befragt und bekommen noch ein Abendessen und Tee gebracht. Derweil bringen freundliche Helfer noch ein paar Decken und Kissen und spannen über unseren Schlafsäcken ein Moskitonetz auf.
Als wir aufgegessen haben, bedeutet uns der Bürgermeister, wir sollen uns nun schlafen legen, denn morgen würden wir früh geweckt werden. Nun, das kennen wir schon, auch gestern ist es uns so gegangen, da wurde mittels einer längs der Straße aufgebauten Lautsprecheranlage morgens um 6 Uhr der ganze Ort kollektiv mit lauter Marschmusik geweckt. Dann folgten Parolen zum neuen Tag und wieder Marschmusik. Am Abend zuvor hatte man gegen 21 Uhr nach den, mit kreischender Stimme vorgetragenen, Politnachrichten, klassische Musik gespielt und dann mit der Melodie „Guten Abend, gut Nacht” zum kollektiven Schlafen aufgefordert. Vietnam ist ein Land der Frühaufsteher und Frühschlafengeher!
Wir folgen also der Aufforderung brav, ziehen uns aus und schlüpfen in die Schlafsäcke, derweil ziehen sich alle anderen zurück. Doch es dauert nicht lange, dann geht die Tür wieder auf, und der Bürgermeister, der Englischlehrer und ein paar weitere männliche Genossen sowie der Polizist stehen abermals im Raum und fordern uns auf, wieder aufzustehen.
Was soll das denn, können wir doch nicht hier bleiben? Sorge befällt uns, haben sie es sich anders überlegt, gibt es Ärger mit übergeordneten Behörden? Müssen wir gar jetzt noch, mitten in der Nacht, weiterziehen?
Man bedeutet uns, daß wir uns nicht wieder ankleiden bräuchten, aber wir sollen uns an den Tisch setzen. Da sitzen wir nun in Unterhosen und harren dem, was da jetzt kommen mag... Doch dann klärt sich die merkwürdige Geschichte recht schnell, als man alle Fensterläden vorsichtig schließt, die Tür innen verriegelt und mehrere Flaschen Reisschnaps unter den Jacken hervorzieht. Aha, es ging also nur darum, die Frauen loszuwerden! Der junge Sportlehrer zieht aus einen Sack eine Gitarre hervor.
Der Abend wird noch sehr lang und sehr schön, wir singen zusammen kommunistische Kampflieder, von denen sich eines besonders gut bei uns einprägt, dessen Refrain sich endlos wiederholt und mühelos verständlich ist: „Vietnam, Ho Tschi Minh! Vietnam, Ho Tschi Minh! Vietnam, Ho Tschi Minh! ... ” Schon Peter Scholl-Latour, dessen Buch „Der Tod im Reisfeld” wir zur Fahrtvorbereitung gelesen hatten, hatte von genau dieser Weise berichtet, die er an manchen Abenden immer und immer wieder gehört hatte, als er einmal vom Vietcong gefangen, in einem Dschungellager weilte.
Am Ende sind alle Flaschen restlos geleert. Das meiste im „fifty/fifty” - Trinken, bei dem sich immer zwei zuprosten und dann jeweils das halbe Glas austrinken. Die Stimmung wird dabei mit steigendem Alkoholspiegel immer sentimentaler, es fehlt nicht viel und wir würden uns alle in den Armen liegen, wobei der alternde Bürgermeister bereits den Tränen sehr nahe ist. Nur der Zivilpolizist trinkt nichts, tut aber dennoch bei allem anderen mit. Er bleibt als einziger über Nacht bei uns und weckt uns am nächsten Morgen unbarmherzig um sieben in der Früh.
Wir frühstücken in der kleinen Garküche an der Straße und wandern weiter. Der Bürgermeister war Vietcong gewesen und kam aus dem Norden Vietnams. Er wurde nach dem Krieg in dem südvietnamesischen Dorf eingesetzt und ist dort seit 1975 im Amt. Das hat er uns alles erzählt. Doch wie hat er als Vertreter der Kriegsgewinner in dem südvietnamesischen Ort agiert, was wurde aus den hiesigen Anhängern des westlichen, Saigoner Regimes, aus den freien Bauern, aus den Christen? Wurden sie von Volkstribunalen gerichtet, in Lager gesteckt, umgebracht?
Was hat unser Bürgermeister dabei zu verantworten, klebt Blut an seinen Händen? Unwahrscheinlich ist das nicht, denn die Nachkriegszeit war für die überrannten Südvietnamesen eine schwere Prüfung.
Nun, wir machen uns auf unserem Weg Gedanken... Aber, egal was vielleicht gewesen war, nett war er auf jeden Fall und ein bißchen von dem Schlag Leute, denen man eigentlich völlig vertrauen möchte. Seit den 70er Jahren ist eben viel Zeit dahingegangen...
Eine Nacht im Urwald
Nach langem Marsch, biegen wir in der Mittagshitze hinter einem Dorf von der Straße ab, denn ältere Jungs, die wir nach dem Weg gefragt haben, führen uns bis zu einer Flußfähre und hüpfen dort sogleich ins braun-trübe Wasser. Wir widerstehen schweren Herzens ihren Aufforderungen zu Folgen und lassen uns vom Fährmeister übersetzten. Nun folgen viele Kilometer staubiger Feldwege durch eine ausgetrocknete Landschaft, bis wir am Nachmittag unvermittelt in den grünen Dschungel des Nationalparks hineinlaufen.
Über Fahrwege und Pfade geht es nun, unter dem grünen Dach gewaltiger Urwaldriesen, durch undurchdringlichen Wald. Man kann keine zwei Meter in den Wald hineinsehen und die Luft ist angefüllt mit allen möglichen fremden Geräuschen. Die Eindrücke sind grandios, welch ein Erlebnis!
Aber wir haben auch ein Problem, denn der Weg führt durch unbewohnten Wald und bis zum nächsten Ort soll es noch gut 30 km weit sein, und wir haben nur noch wenig Wasser in den Feldflaschen, und das bei dieser Hitze! Seit wir heute mittag den Fluß überquert haben, ist alles vertrocknet und staubig, gibt es nicht die kleinste Pfütze, aus der wir zur Not mit unserem Katadyn trinkbares Wasser hätten filtern können, zu unserer Überraschung noch nicht mal hier im sattgrünen Wald. Und seit wir im Dschungel unterwegs sind, sind wir tatsächlich keiner Menschenseele mehr begegnet.
Wir machen uns bereits ziemliche Sorgen und auf eine schlimme Nacht gefaßt, als uns am Abend ein Mopedfahrer überholt, den wir bitten, uns Trinkwasser zu besorgen. Er kommt auch tatsächlich zwei Stunden später wieder und hat ein paar Wasserflaschen dabei, die er uns natürlich teuer verkauft. Dafür nimmt er aber Robert, dem es ob der Hitze und des Wassermangels nicht gut geht, auf seinem Krad bis zum nächsten Dorf mit. Wir hingegen schlagen uns an der nächsten Minilichtung in den Wald und bauen an einer ebenen Stelle zwischen umgestürzten Baumriesen und unter Lianen nach dem Abendessen am Feuer unsere kleinen Moskitozelte auf.
Es ist so drückend heiß, daß man den Schlafsack nur als Unterlage benutzen kann. Durch das schwindelnd hohe Blätterdach schimmern vereinzelt Sterne, überall kreischen Geckos. Welch ein gewaltiges Erlebnis! Das durchsichtige Zelt läßt uns bis zum Einschlafen an der großartigen Atmosphäre teilhaben, und mit seinem Reißverschluß und dichtem Boden verleiht einem sogar ein gewisses Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit. Keine Mücke, kein Käfer, keine Schlange kann hier herein. Größere Tiere, Raubkatzen? Die sind doch gewiß alle ausgerottet?! Man schläft jedenfalls besser ein, wenn man nicht daran denkt...
Andreas G.
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