Weltfahrt: Quetta (Pakistan) – 5. Dezember 2001


Horridoh,

wir sind nun glücklich in Quetta in Belutschistan im Westen Pakistans gelandet, anders als ursprünglich geplant. Aber wir haben uns dafür entschieden, weil wir mit mehreren Pakistanern gesprochen hatten, die uns empfohlen haben dort hinzugehen. Es sei nicht gefährlich, man würde nicht belästigt und die Situatuion sei entspannt. Diese Erfahrung können wir bestätigen und fühlen uns fast wohl. Pakistan ist schon mächtig anders als Iran und viel dreckiger. Der Kulturschock begann hier. Wir werden nicht allzulange hierbleiben.

Nachdem uns in Van die Gitarre gestohlen wurde, sind wir am Tag darauf in die Universität gegangen und haben nach den drei Studenten gesucht, die Professoren waren sehr hilfsbereit und so konnten wir die Jungs am Nachmittag ausmachen. Wir haben nicht lockergelassen und schließlich hatten wir das Stück wieder unversehrt zurück, ohne Polizei. Die sollen sich bloss nicht mit drei Wandervögeln anlegen.


Iran

Dann konnten wir in den Iran reisen. Natürlich haben wir ein gesundes Vorurteil entwickelt und sind um so erstaunter, dieses nicht bestätigt zu bekommen. Von Orumie über Tabriz geht es nach Teheran. Teheran ist eine Ausnahme in der iranischen Gesellschaft. Wir können dort ein paar Tage bei dem deutschen Pfarrer unterkommen und die Stadt erkunden. Auch ist am Abend mal ein deutsches Bier aus dem Diplomatengepäck drin.

Wir sind begeistert von den Iranern. Zum einen ist die Bevölkerung ziemlich gebildet und verkörpert durchaus ein pluralistisches Meinungsbild. Ein Großteil fühlt sich von den Mullahs unterdrückt, es gibt aber auch einige, die sich, trotz unerfüllter wirtschaftlicher Versprechungen, der Regierung verbunden fühlen. Nicht zu vergessen ist, daß die Situation in den letzten Jahren den Schahzeit wirklich unerträglich gewesen sein soll und die Revolution tatsächlich von über 90 Prozent der Bevölkerung mitgetragen wurde, sie begann in den gebildeten Städten.

Einiges hat sich gebessert seit der Revolution, der Iran ist ein unabhängiges und in vielen Fällen erträglicheres Land als die Türkei und Pakistan. Dennoch ist neben dem Tschadorzwang für Frauen die Rechtslage äusserst primitiv und tyrannisch, es erinnert uns an Kuba, wo alle Zugang zu hoher Bildung haben aber nicht gänzlich frei in ihrer Entfaltung sind. Es liegt eine unterdrückte aber starke Lebensfreude in dem Land. Wir besuchen die ehemalige amerikanische Botschaft und schauen uns eine teilweise sehr polemische Ausstellung über Militäreinsätze und Spionagetätigkeiten der USA an. Nun beginnt der Ramadan und Essen am Tag ist nicht erlaubt, einge halten sich nicht dran, dennoch fasten viele, ohne besonders gläubig zu sein.

Maschad

Wir fahren nach Maschhad, wo Max schwer krank wird und Pat und ich vergnügen uns mit Studenten. Weiter nach Tabas und Yazd, wo wir den Spuren der alten Religion der Zarathustrier folgen und in der Wüste wandern. Noch heute leben einige zigtausend Zarathustrier in der Gegend, die sich eigentlich kaum von den Iranern unterscheiden. Sie dürfen ihrer Religion nachgehen aber manche Riten sind ihnen durch Chomeini verboten.

Wir fahren nach Isfahan, wo wir uns mit einigen Studenten treffen und mit ihnen die Tage verbringen. Das ist, trotz verpasster Sehenswürdigkeiten sehr spannend. Weiter in die Wüstenstadt Bam, in der wir ein schweizer Paar treffen und einen holländischen Kurden aus dem Irak, mit dem wir schon in der pakistanischen Botschaft in Teheran sprachen. Dort ist eine uralte Wüstenfestung und die besichtigten wir gemeinsam.

Von dort reisen wir mit dem Kurden weiter nach Zahedan, einer Grenzstadt voller schräger Vögel und Schmuggler. Heute morgen sind wir in Quetta angekommen. Quetta ist ziemlich verwirrend, dreckig und stinkt so wie Teheran. Hier sind etwa 200 Journalisten aus aller Herren Länder und viele Belutschen, Afghanen, Punjabis, etc... Von Feindschaft gegenüber uns spürt man aber nichts. Bald gehts weiter, theoretisch könnten wir mit den Reportern nach Afghanistan aber wir sind erstmal auf Indien gespannt.

Horridoh
Freddy, Max, Pat

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