Islamische Gastfreundschaft beeindruckte


Gießener Anzeiger, Dienstag, 04. März 2003

Staufenberger Weltenbummler begeisterten mit Diavortrag in Oberburg - Hindernisse mit Geduld und Glück überwunden

STAUFENBERG (dag). „Trampen ist ein hervorragendes Fortbewegungsmittel, wenn man Zeit hat - und die hatten wir ja", resümierte Max Richter über nur eine der zahlreichen Methoden, die er und seine Wandervogelkameraden aus Staufenberg auf ihrer großen Fahrt gebrauchten.Vor einem Jahr brachen Max Richter, Frederic Holzwarth und Stefan Zecher zu ihrer abenteuerlichen Weltreise auf (der Anzeiger berichtete). Neben zahlreichen Fotos bleiben den jungen Männern auch unzählige eindrucksvolle Erinnerungen, die sie in Form eines Diavortrags auf der Staufenberger Oberburg mit interessierten Gästen teilten. Und Interesse bestand, das konnte man beim Anblick des übervollen Burgzimmers nicht leugnen. Etwa 120 Besucher drängten sich hier, um den Diavortrag zu verfolgen.

Wie viel Geld nehmen wir mit, welche Währungen brauchen wir, welche Impfungen und Visa, was und wie viel an Gepäck, das waren die grundlegenden Fragen, mit denen sich die drei Staufenberger vor Beginn ihrer Reise auseinandersetzen mussten. Auch die Ereignisse des 11. September machten die Planung nicht gerade einfacher. Die verschärfte weltpolitische Lage zwang zur Ausarbeitung von Alternativrouten, selbst ganze Streckenabschnitte einfach zu überfliegen, wurde überlegt. Auch ein wenig Sprachenlernen stand vor Reiseantritt auf dem Programm, denn „man erfährt ganz andere Dinge, wenn man die Sprache ein bisschen kann", so Max Richter.

So sahen sich die drei Freunde in der Türkei weniger mit Sprachhindernissen als mit dem Problem der Beschaffung guter Karten konfrontiert. Dennoch schafften sie es, durch das Taurusgebirge noch vor dem Wintereinbruch den Iran zu erreichen, wo sie „endlich das Gefühl hatten, Europa wirklich zu verlassen". Als besonders spannend behielten Richter, Zecher und Holzwarth das „Drei-Länder-Eck" in Erinnerung. In der angespannten Lage an der schwerstbewachten Grenze war eine Zeit lang nicht einmal sicher, ob die drei Staufenberger die pakistanische Grenze würden überqueren dürfen, zumal die Gefahr bestand, in Pakistan in bürgerkriegsähnliche Gefechte hineinzugeraten. Nachdem sie die Grenze schließlich passieren durften, führte der Weg die drei Weltenbummler quer durch Pakistan, von wo aus sie schließlich nach Indien vordrangen.

„Indien ist noch bunter als wir es uns vorgestellt hatten, überall sind Menschen", begeisterte sich Max Richter. Ein Ziel der Gruppe war es, bis zum 24. Dezember Bombay zu erreichen, da man mit der dortigen christlichen Gemeinde Weihnachten feiern wollte. Für Max Richter stellte die indische Metropole auch gleichzeitig den Endpunkt der Reise dar, er trat von dort aus den Rückflug nach Deutschland an. Seine Freunde erkundeten noch weitere zwei Monate lang auf alten Zweitaktmaschinen das Land, bevor sie ihre Reise nach Tibet fortsetzten. Bei den schlechten indischen Straßenverhältnissen war dabei der tägliche Besuch beim Mechaniker Pflicht.

In Vietnam mussten die beiden verbliebenen Wandervögel feststellen, dass „die Natur gar nicht so still ist, wie man glaubt; überall schwirrten Insekten". Fasziniert berichteten Zecher und Holzwarth von den imposanten Tempelanlagen im Dschungel Vietnams. „Man ist erstaunt, welche Schönheiten im Dschungel selbst den Vietnamkrieg überlebt haben", begeisterte sich Holzwarth. In Bangkok ließen Stefan Zecher und Frederic Holzwarth ihre Fahrt schließlich ausklingen und flogen zurück nach Deutschland.

Die drei Weltenbummler schlossen ihren Vortrag mit der Feststellung, dass die Religion in den nichteuropäischen Ländern eine viel zentralere Rolle einnimmt. „Besonders faszinierend war die Gastfreundschaft der muslimischen Bevölkerung", so Richter. Als Bilanz ihrer Fahrt stellten Zecher, Richter und Holzwarth fest, dass es „keine unüberwindlichen Hindernisse gibt; mit Geduld, Glück und Freundlichkeit ist alles zu schaffen".

Im Anschluss an den Diavortrag der Weltreisenden folgten eine kurze Ausführung zum Weinbacher Wandervogel sowie ein kurzer Diavortrag einer jüngeren Gruppe der Staufenberger Wandervögel. Für das leibliche Wohl der Zuhörer war mit Kuchen, Handkäse mit Musik, Hackfleischbrot und verschiedenen Getränken gesorgt.


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