Julische Alpen und blaue Adria   –   Slowenien 2006


  - ©Weinbacher Wandervogel

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Schon von den ersten Sonnenstrahlen, die durch das löchrige Dach der Almhütte fielen, wurde ich geweckt. Auch die anderen wurden bald wach und krochen aus ihren Schlafsäcken. Die Nacht hatten wir auf dem Dachboden im Haus eines Ehepaars verbracht, die gerade ihren Hochzeitstag feiern wollten als wir gestern anklopften um nach einem Schlafplatz zu fragen. Es stellte sich jedoch bald heraus, daß beide Pfadfinder waren und so verbrachten wir einen tollen Abend mit den freundlichen Slowenen und wir haben sogar einige Lieder zusammen gesungen. Doch nun ging es weiter und die Sonne verschwand leider wieder im Wolkenmeer. Und schon bald regnete es in langen Bindfäden vom Himmel.

Aber an den Regen waren wir ja schon gewöhnt. Schließlich waren wir schon knapp eine Woche in den Julischen Alpen unterwegs. Bei Dauerregen und stürmischem Wetter sind wir mehr als zweitausend Höhenmeter bergauf geklettert. Von Bled aus ging es auf Hochplateaus über Hochmoore und Bergkuppen bis hin zu den Schneefeldern des Triglavs. Von dort aus wanderten wir in das Tal der sieben Seen. Unterwegs hatten wir einige freundliche Menschen kennengelernt, aber heute wollten wir uns zum letzten Abstieg aufmachen und wenn man der Karte glauben schenkte, dann sollte das der steilste Abstieg werden.


Und so kam es dann auch. Nach einem halben Tagesmarsch standen wir plötzlich vor einem Abhang und schauten gut achthundert Meter in die Tiefe, während uns Wind und Regen um die Ohren peitschen. Vor uns ging unser „Pfad“ fast senkrecht bergab, aber es half alles Karte-Studieren nichts, denn das war der einzige Weg in der ganzen Umgebung.

Mehr als einmal bin ich auf den nassen, moosbewachsenen Felsen weggerutscht, doch glücklicherweise fand ich immer rechtzeitig etwas zum Festhalten. Nach gut zwei Stunden Klettern und Rutschen kamen wir endlich völlig fertig unten an.

Auch diese Hürde war gemeistert, aber jetzt wollten wir endlich den nassen und kalten Bergen entfliehen, denn Slowenien bot ja nicht nur die Alpen im Norden, sondern Richtung Süden auch noch die weiten, steppenähnlichen Plateaus: das Karst Gebiet.

Mit dem Zug fuhren wir von Bled aus keine zwei Stunden. Dort angekommen, wurden wir daran erinnert, daß wir eigentlich auf Sommerfahrt waren und wir konnten ersteinmal die dicken Pullover und Jacken wegpacken. Es bot sich uns eine herrliche Landschaft mit Traubenfeldern, Feigen-, Apfel- und Aprikosenbäumen, Kiwi­sträuchern und jede Menge leckerer Brombeeren. Wir schlugen uns erst einmal die Bäuche voll bis wir Bauchschmerzen bekamen, denn im eigentlichen Karst sollte es angeblich nichts als ausgetrocknete Steppen geben.

In dem schönen Städtchen Stanjel trafen wir uns wie verabredet mit Thiemo. Gut gelaunt und bei schönstem Wetter ging es durch die endlosen Weiten des Karsts, mit seinen ausgetrockneten Flüssen, an denen man vergebens nach Wasser suchte und den netten Leuten, die so nett waren, daß sie einen den halben Tag begleiteten, wenn man nach dem Weg fragte.


An unserem vorletzten Tag trampten wir noch weiter. Denn die letzten beiden Tage wollten wir an der Adria verbringen, die ja nicht mehr weit war. Unser abschließendes Ziel war die Küstenstadt Piran. Dort fanden wir einen schönen Strand, an dem wir den Tag verbrachten. Zum Schlafen legten wir uns hinter eine Kirche, doch mitten in der Nacht fing es plötzlich an zu donnern. Es zog ein mächtiges Gewitter auf. Helle Blitze zuckten über den Himmel und lautes Donnern erfüllte die Luft.

Wir mußten so schnell weg wie es nur ging, um uns ins Trockene zu bringen. Aber das einzige was wir fanden, war ein Tunnel. Er war mit Holz zugenagelt, aber man konnte trotzdem in ihn hinein klettern. Wir folgten dem Tunnel und zu unserer Überraschung kamen wir in eine große nicht fertig gebaute Villa. Dort konnten wir uns einen der schönsten Säle aussuchen. Während die Blitze durch die zugenagelten Fenster zuckten und der Donner furchterregend grollte, schliefen wir in aller Ruhe ein.

Philipp und Jojo

[Fotos]

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