Auf dem Kriegspfad   –   Pfingstlager 2005


  - ©Weinbacher Wandervogel

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Auf dem Kriegspfad

Pfingsten 2005. Bundeslager des Wein­bacher Wandervogel. Von Nach­züg­lern ist zu erfahren, daß es fast überall in Deutschland regnet, doch in der Nordheide scheint die Sonne. An einem dunklen Weiher inmitten eines großen Waldgebietes gruppieren sich die vielen Kohten. Doch das Lager ist ausgestorben, nur ein paar Ältere sind zu sehen, die musizierend oder ins Gespräch vertieft in der Nähe der Jurte im Kreis hocken. Die Horten sind schon seit dem Vormittag unterwegs, draußen im Wald beim großen Geländespiel.

Fast lautlos suchen sich die Ledermokassins ihren Pfad auf dem Waldboden. Selten nur knackt leise ein Zweig. Leicht gebückt huscht Kleiner Bär durch das Unterholz. Mehrere Federn hängen hinten vom Stirnband herab. Auch die Oberarme schmückt je ein Lederband, vom Lendenschurz prangt das Stammeszeichen, der Rest des Körpers ist, wie das Gesicht, in dusteren Farben bemalt. Kein helles Hautstück ist mehr zu sehen. Das dunkle Rot und Schwarz sieht furchterregend aus. Durch den Schweiß der Anstrengung glänzt die Haut fast metallisch.

Am Gürtel baumeln einige erbeutete Lebensbänder aus Wolle in den verschiedensten Farben und geben Zeugnis von bereits durchstandenen Kämpfen mit den verschiedensten Gegnern.

Oberhalb eines Abhangs geht der junge Krieger auf die Knie, beobachtet einen Moment, dann gibt seine Hand das Zeichen nachzukommen. Äste knackten, helle Stimmen sind zu hören. Kleiner Bär, der schon 15 Sommer erlebt und bereits in vielen Kämpfen Erfahrung gesammelt hat, wendet seinen Kopf und schaut zu den ihm folgenden Kriegern. Nur das Helle seiner Augen ist zu sehen. Psst, zischt er streng, denn bei einem Teil der nun nachkommenden geht es nicht ganz so still zu. Mehrere der Huronen sind noch in ziemlich jungen Pimpfenalter und zum ersten Mal auf Kriegspfad, wissen noch nicht so viel über das leise Fortbewegen im Wald. Alle tragen einen Lendenschurz, manche dazu noch Westen aus Leder und alle sind fast ebenso fürchterlich bemalt wie Kleiner Bär.


Dort vorne scheinen Feinde zu sein. Irokesen! Die gefährlichsten Gegner! Nicht nur zahlenmäßig den Huronen überlegen, sondern durch die vielen älteren Jungs auch in der Stärke. Ein Überfall erscheint sinnlos, der Kampf würde für die Huronen nicht zu gewinnen sein. Schade, denn die Irokesen hatten schon zwei der großen Holzteile des heiligen Totems erbeutet, die sie nun mitführen. Auch die Irokesen sind wenig bekleidet, dafür bemalt und einige haben sich sogar bis auf einen schmalen Kamm ihrer Haare entledigt.

Gerade als die Huronen sich leise und unbemerkt zurückziehen und lieber die Navajos, Appachen oder die anderen etwas kleineren Stämme suchen wollen, bei denen sie sich zum Beute machen bessere Chancen ausrechnen, ertönt von den Irokesen ein schreckliches Kriegsgeschrei. Mit lautem Getöse stürzen sich deren Krieger auf einen Trupp Sioux, der gerade unbesorgt aus einer Schonung kommt.

Der nun tobende heftige Kampf bietet auch den Huronen eine Chance. Schnell wird Kriegsrat gehalten und das weitere Vorgehen besprochen. Der weise Häuptling mahnt zur Vorsicht, doch die jungen, wilden Krieger um den Kleinen Bär setzen sich durch. Die beiden Stämme sollen inmitten ihres Kampfes überrascht werden!

Leise, von Baum zu Baum huschend, nähern sich die Huronen rasch und unbemerkt dem Kampfgetümmel. Als die meisten der wild Kämpfenden bereits ihre Lebensbändchen verloren haben und hilflos auf dem Boden hocken, schlagen die Huronen mit lautem Geschrei zu. Doch noch immer sind genügend Gegner am Leben und verwickeln die Angreifer in heftige Zweikämpfe. Nun schlägt die Stunde der jüngeren Huronenkrieger. Blitzschnell überwältigen sie den einen oder anderen gerade im Zweikampf befindlichen Gegner, indem sie ihm das Woll-Lebensband vom Oberarm abreißen.


Als das Schlachtgetümmel abebbt und alle Irokesen und Sioux besiegt sind, haben die Huronen fast ohne eigene Verluste einige feindliche Lebensbändchen hinzu­gewonnen. Eine wichtige Beute, denn am Ende zählen für den Sieg nicht nur die Anzahl der erbeuteten Totemteile sondern, ganz indianisch, auch die Zahl der besiegten Feinde.

Die beiden schon sehr erfahrenen Irokesenkrieger, allerdings, die die großen Totemhölzer mitschleppten, haben sich während des ganzen Kampfes abseits gehalten und suchen, als sich das Blatt zu Ungunsten ihres Stammes wendet, rechtzeitig das Weite. Schnellen Schritts eilen die Huronen nun hinterher. Auf dem alten Forstweg kann man durch das umgetretene Gras deutlich die Spur aufnehmen. Die besiegten Irokesen können den beiden Flüchtenden nicht zu Hilfe kommen, denn sie müssen ebenso wie die Sioux, einige Minuten warten, bis sie sich neue Lebensbänder an die Arme knoten dürfen. Bis dahin müssen die Huronen zum Erfolg gekommen sein! Tempo ist angesagt!

Keuchend rennen die Jungs durch den Forst. Ein paar hundert Meter schlängelte sich der Weg durch dichten Wald, dann mündet er auf einen größeren Waldweg, der nicht mehr mit Gras bewachsen ist. Spuren sind nun nicht mehr zu sehen. Außerdem bietet dichter Jungwald ideale Versteckmöglichkeiten. Eine Weile noch stochern die Huronen durch die Schonung, dann müssen sie selbst vor der herannahenden Kriegerschar der wiederbelebten Irokesen hinter dichten Büschen Schutz suchen. Kleiner Bär ballt die Faust, der Sieg war fast greifbar nah gewesen, die zwei Flüchtenden wären chancenlos gewesen, hätte man sie nur eingeholt!

Noch Stunden wogen die Kämpfe. Erschreckt nehmen so manche Spaziergänger oder Radfahrer Reißaus, wenn plötzlich vor ihnen furchterregende Gestalten im jähen Sprung den Waldweg kreuzen oder im Sturmlauf entgegenkommen. Doch werden die Wege von den Kämpfern ja im Allgemeinen gemieden, zumeist geht es quer durch den Wald.


Da alle Stämme ihre erbeuteten Totemteile bei einem weisen Medizinmann, der mitten im dichten Wald auf einem Hügel haust, weihen lassen müssen, toben einige der wildesten Schlachten dort in der Nähe. Einige Male wechseln dabei die bunt bemalten Teile vom Totemstamm oder die beiden großen Flügel die Besitzer, bis sich am frühen Abend schließlich alle Stämme auf dem Lagergelände am schwarzen Weiher einfinden und inmitten der vielen schwarzen Zelte ihre Beute präsentierten.

Die tapferen und geschickten Huronen aus Frankfurt haben es schließlich geschafft, zwei der Totemteile in Besitz zu bekommen, doch die Irokesen, mächtiger Stamm aus Göttingen, dort auch Nibelungen genannt, haben ebenso viele. Daß sie ein paar Dutzend Lebensbänder mehr erbeutet haben als die Huronen, macht sie schließlich zum wahren Sieger.

Möge Manitu ihnen auf ewig wohl gesonnen sein.
Schwarzer Wolf

[Fotos]

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