Der Schatz der Franzosen – Pfingsten 2000


Die Kaiserlichen

Auftakt

Es ist Nacht. Ein kleiner Trupp leichtgewappneter kaiserlicher Ritter eilt zwischen Nebelschwaden auf steilem Pfade. Kein Laut ist mehr zu hören. Nur im Mondlicht ist hier und da ein vorbeihuschender Schatten zu sehen. Jeder kennt das Ziel, und nur einer fehlt – unser oberster Feldherr Christoph, Herre zur Niederen Ursel. An geheimem Orte wird er um die elfte Stunde dem Feind ein letztes Angebot unterbreiten. Gibt er kein Zeichen, so gilt es, die schwedische Bastion zu nehmen.

Der Weg windet sich durch die hohen Wälder, und uralte Baumriesen werfen im Mondlicht ihre langen Schatten auf uns. Vom Wind getriebene Wolken verdecken den Mond immer wieder, und an ihrem Saum schimmert es fahlgrau, während die Sterne in der kalten Luft funkeln und glühen. Aber halt – gerade fällt ein Strahl des kalten Lichtes auf eine wachende Gestalt. Schnell und lautlos fällt sie durch unsere scharfen Klingen. In einem kleinen Steinbruch werden einige verwahrloste schlafende Schweden überwältigt und gefesselt. Sie sehen abgemagert aus, denn unsere treuen Reichsbauern haben ihre Vorräte vor den Plünderungen des ketzerischen Heeres sicher zu verbergen gewußt.

Lautlos zieht der tapfere Trupp auf schmalem Grat zu den äußeren Wällen der fremden Bastion. Keine Wache hindert uns hier am Überschreiten des ersten Verteidigungsringes. Erst am Waldessaum vor dem inneren Kern der Bastion machen wir halt. Wir stehen unter einem steilen Felsen. Nur eine schwache hölzerne Barrikade statt starker Zinnen schützt hier die schwedischen Räuber, denn von der felsgeschützten Seite wähnen sie sich sicher. Von dem Lärm des laut prasselnden Wachfeuers geschützt, können wir uns rüsten. Nur selten sieht man einen Posten die Brüstung abgehen.

Schnell ist der Fels erklommen, und ehe die Schweden sich mit voller Kraft zur Wehr setzen können, ist eine Bresche geschlagen. Die ersten unserer Kämpfer stürmen über die Barrikaden und müssen jetzt gegen vierfache Übermacht standhalten. Mit einem Hagel von Speeren und Lanzen, Pfeilen und Kugeln wird unser Eindringen erwidert. Durch ein schnelles Zurückziehen in den Wald lassen wir diesen Schauer ins Leere prasseln. Noch lange sieht man sie – durch die eigenen Fackeln geblendet – ins Nichts kämpfen.


Kaum haben sie jedoch begonnen, den Schaden an ihrer Festung auszubessern, folgt laut und heftig unser nächster Ansturm. Schild an Schild rücken wir geschlossen vor und trotzen jedem Schlag. Mit einer Hand an einer Wurzel Halt suchend, reißen wir mit der anderen die Barrikaden in die Tiefe. Diesmal erwartet uns ein anderer Empfang. Nur noch die Schwerter sind ihnen geblieben. Statt Speeren und Lanzen schleudert man uns allerlei Gemüse entgegen. Selbst ihr Schlamm vermag unseren Schilden nichts anzuhaben. Mit dem schwarzen Pulver aus China versuchen sie uns in Angst und Schrecken zu versetzen, doch wir wissen nur zu gut, wie wenig Wirkung dieser verpuffende Knall hat, wenn das letzte teuflische Blei verschossen und die letzte Glocke aus dem Kirchturm geholt und eingeschmolzen ist.

Bis in die späten Nachtstunden tobt die Schlacht. Das erste Ziel ist erreicht – nun haben wir sie soweit. Die ganze Nacht werden sie wachen, um einen geraubten Schatz zu behalten, während Donnergroll und Blitze den nächtlichen Himmel erhellen. Wenn wir aber im ersten Morgengrauen zum letzten Angriff blasen, werden sie erschöpft um die Asche ihres Feuers liegen.

Indessen können wir in unserem Lager ruhen, unbekümmert ein kräftiges Frühstück genießen und schließlich mit dem gesamten Troß des kaiserlichen Heeres anrücken.

Wie schon prophezeit, überwältigen wir im Morgengrauen die Schlafenden ohne großen Kampf. Doch jetzt erst entdecken wir Ahnungslosen den Verrat. Nur die Mannen des Landgrafen Wolle – der einst unseren Kaiser selbst verriet – liegen hier. Den Schatz aus Frankreich aber haben die schwedischen Horden unter ihrem Anführer Tiffy weggeschafft.

In Windeseile verlassen wir die leere Festung und folgen der frischen Spur. Schnell sind die Schweden eingeholt und der Schatz erbeutet. In langer Reihe kehren wir siegreich zum Feldlager zurück, doch überall lauern noch versprengte landgräfliche und schwedische Trupps.

Kaum ist das Feldlager erreicht, daß sich die Feinde wieder sammeln und in einiger Entfernung blicken lassen. Doch ihr Kampfesmut ist dahin, schon ihr erster Angriff zerfällt in Chaos, als unsere Kanoniere in aller Ruhe ein Pfeifchen rauchend den ersten Schuß abgeben. Unser Schweinemist läßt den Ansturm stocken und schließlich zurückweichen. Stunden vergehen in einem ständigen hin und her. Erst, als der Landgraf Weiber und Kinder in die Schlacht schickt, müssen wir zurückweichen. Mit eben diesen füllen sie ihre forderen Reihen auf und verstecken sich selbst dahinter. Wir sind es nicht gewohnt, gegen Weiber und Kinder das Schwert zu erheben. Dies feige ausnutzend, schlagen sie im entscheidenden Augenblick zu und entreißen uns das Gold der Franzosen.

Es ist Pfingsten im Jahre des Herrn 2000 und nur die Schlacht verloren – nicht der Krieg. Noch zu später Stunde werden Heere und Kanonen sich auf offenem Felde in ehrlichem Kampfe messen.


Tedo

Bläser

Trommler

Schlacht

Schweinemistkanone

Ich pieks dich, Du...

Kaiserliche

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