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"Ei ja, ei ja, ann Vuglbärbaam..." – Erzgebirge 1997/1998 |
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Im tiefsten Winter zwischen den Jahren 1997/98 zog es uns zu einem Wintertippel ins Erzgebirge. Es sollte die erste Fahrt unserer Horte Turonen zusammen mit dem Weinbacher Wandervogel werden. Zu sechzehnt verbrachten wir einige schöne Tage mit viel Wandern und Singen und ernten diesen uns bisher so unbekannten Teil Deutschlands kennen. Jeden Abend hatten wir ein schönes Dach über dem Kopf. In Klassenzimmern und Turnhallen konnten wir unsere müden Glieder ausruhen. Quartier zu bekommen war kein Problem, da die Einheimischen uns sehr aufgeschlossen gegenübertraten.
Weihnachten hatten alle gut überstanden, als es am Morgen des 27. bei klirrender Kälte losging. Fünf Stunden später erreichten wir den kleinen Ort, den wir uns zuvor auf der Karte als Startpunkt ausgedeutet hatten. Die erste Begegnung mit der Einheimischen - wir fragten einen älteren Herrn nach dem Weg - führte dazu, daß die meisten wegen des lustigen Akzents nur mit Mühe das Lachen verkneifen konnten und sogleich der Vorschlag aufkam, doch den nächsten Passanten noch einmal zu fragen.
Am nächsten Tag wanderten wir durch das wunderschöne Erzgebirge und konnten das erste Mal die herrliche Berglandschaft genießen. Wir hatten zwar etwas mehr Schnee erhofft, doch sollten wir darauf noch ein wenig warten müssen. Beim Wandern gab es viele Möglichkeiten, sich mit den "erfahrenen" Weinbachern zu unterhalten und so einen tieferen Einblick in das bündische Leben zu erlangen. Am darauffolgenden Tag besuchten wir die "Deutsche Raumfahrtausstellung" in dem Ort mit dem wunderschönen Namen Morgenröthe-Rautenkranz. Hier wurden Raumfahrtutensilien von bekannten Astronauten und insbesondere Kosmonauten ausgestellt. Auch wurden die Funktionsweisen von Raketen und Raumstationen näher erläutert.
Am dritten Tag ging es mitten im Wald über die grüne Grenze nach Tschechien, wo wir endlich auch den erwarteten Schnee fanden. Am Abend nutzten wir die Vorteile unseres Nachbarlandes und leisteten uns ein fürstliches Abendessen.
Spät in der Nacht fuhren wir mit der Bahn wieder zurück nach Deutschland. Bei der Ausreise wäre uns dann fast Berti abhandengekommen, der zwar genauestens darauf geachtet hatte, daß kein anderer ohne gültige Personalpapiere den Ausflug nach Tschechien unternahm, selbst aber dann seine Identität gegenüber den Grenzern nicht nachweisen konnte. Ein nur für uns wieder geöffnetes Haus einer christlichen Gemeinde bot uns diese Nacht Herberge.
Der zweite wissenschaftliche Höhepunkt unserer Fahrt war der Besuch eines Pumpspeicherkraftwerks. Dort wurde uns das Prinzip der Energiespeicherung durch das Hochpumpen von Wasser und bei Bedarf Wiederablassen verdeutlicht. Ein leitender Ingenieur hatte uns nach seinem Feierabend, ohne lange zu zögern, einen Vortrag und eine Führung angeboten.
Sylvester wollten wir besonders feiern und deshalb diese Nacht nicht auch wieder in einer Schule verbringen. In einem etwas sumpfigen Tal, durchwoben von Nebelschwaden, stand bald unsere Jurte. Dicke Lagen Stroh vom nahen Bauern, Holz im Überfluß und ein köstliches Essen versprachen einen schönen Abend. Ein kurzes Aufwärmen in der nahen Kneipe und ein nächtliches Singen beim benachbarten Bauern waren der Auftakt zu einer ausgelassenen und fröhlichen Feier. Das große Feuer zum Jahreswechsel unter sternenklarem Himmel wird wohl keiner von uns vergessen. Gemeinsam stießen wir auf das neue Jahr an. Als wir Turonen dann auch noch unsere Wandervogelbaretts erhielten, war dies eine riesige Überraschung. Noch lange wurde in dieser Nacht gesungen und erzählt und Pläne für das vor uns liegende Jahr geschmiedet.
Am nächsten Morgen ging dieser wunderschöne Tippel leider viel zu früh zu Ende, und ein letztes Mal erklang die heimliche Hymne des Erzgebirges: "Kann schinnrn Baam gippts, wie dann Vuglbärbaam, ... ei ja, ei ja, ann Vuglbärbaam."
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