Kampf um alte Pergamente   –   Pfingsten 1992


Ritterspiele - ©Weinbacher Wandervogel

Ritterspiele - ©Weinbacher Wandervogel

Pfingstgastmahl - ©Weinbacher Wandervogel

Seid gegrüßt, hier bin ich, Adem el Enis, Knappe in den Diensten von Ritter Goliath von der Vogelweide. Ich berichte Euch von den Tagen, da es noch Drachen gab - die wurden ja brutal ausgerottet, die armen Tiere - wo Jungfräulein in Türmen saßen und wo johlende Ritterhorden durch die Wälder stürmten und die armen Tierchen erschreckten.

Ich füllte mit die Reihen in des Tillrichs Scharen. An diesem Morgen bedauerte ich tief, daß meine Vorfahren in dies kalte Schlammloch zogen und nicht im warmen Anatolien bei Sultan Pascha el Paladin blieben. Nachdem wir uns zum Kampfe gewaschen hatten, zogen wir los, um dem Richard von Helfenstein und dem Erzbischof von Trier falsche Dokumente zu entreißen, die ebenso falsche Machtansprüche unterstützten.

Auf einer Anhöhe sahen wir des Bischofs Schergen. "Hinunter!" schrie das Kriegsvolk, und alles stürmte den Hang hinab. Ein osmanischer Stratege hätte sich die Haare gerauft ob dieser Kampftaktik. Doch da die anderen auch keine Ahnung hatten, gewannen wir nach vielem Hin und Her. Leider purzelte unser Anführer, Ritter Goliath von der Vogelweide, etwas unrühmlich den Berg hinab, eng verschlungen mit einem Ritter aus des Bischofs Scharen. Aber er besiegte ihn, so erzählte er jedenfalls, und das stellte seine Ehre wieder her. Wimmernd floh die feige Meute des Bischofs. Doch leider hielten wir, hinterlistig getäuscht, nur einen Schandbrief in den Händen. Das Pergament hingegen gelangte, gut versteckt, in die Burg.

Zornentbrannt zogen wir schwer bewaffnet mit Kriegsmaschinerie vollzählig vor die Burg, auf das diese falle. Burg ist übertrieben, es war eine kalte, zugige Ruine und nicht zu vergleichen mit den Palästen unserer osmanischen Baumeister. Kaum waren wir angekommen, hagelte es nach schweren Worten Wasser und Mehl. Nach einigen Startschwierigkeiten beharkte unser Katapult die feindliche Burg. Dann setzten wir zum Sturm an: Die eine Hälfte stürmte das Tor, die andere die niedrige Mauer. Da pinkelte einer dieser feigen Hunde von der Mauer!. Wenn ich da an unsere Kanalisation im goldenen Konstantinopel denke, wird mir ganz schlecht. Und unsere Leute, die gefangen wurden, wurden mit Linsensuppe übergossen. Die Genfer Konvention ist für diese Barbaren ein Fremdwort. Wutentbrannt rammten wir das Tor nieder. Doch dann wimmerten die Hunde in der Burg so laut, daß wir Frieden schlossen. Frieden ist vielleicht übertrieben, es war mehr ein Waffenstillstand. Vom Kampfe ermattet, zogen wir in unser Heerlager zurück, wo wir uns nach einem Abendmahl zur Ruhe legten. Im Schlaf träumte ich vom fernen Anatolien.


PS: Immerhin befinden sich die Dokumente jetzt im Besitz meines Herrn, Goliath von der Vogelweide, in der Feste Godesburg. Gewiß wird er eines Tages die sich daraus ergebenden Rechte in Anspruch nehmen.


DPB Bad Godesberg


[Fotos]

Siehe auch: Schlacht um die Sporkenburg

Siehe auch: Belagerung der "Löwenburg"

Zurück oder StartFahrten1992  


© 2001 - 2012 Weinbacher Wandervogel (Impressum), Kontakt: bund@weinbacher-wv.de, Letzte Änderung: 2011-07-28 10:29

Maghrebinische Nacht 2010 - ©Weinbacher Wandervogel