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Schlacht um die Sporkenburg – Pfingsten 1992 |
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Auftakt
Die Unwetter toben über der Sporkenburg, dem Trutze des Markgrafen Johann von Helfenstein, als sich viele ehrbare Rittersleut dort einfinden, der Einladung zum Pfingstfest dieses edlen Fürsten folgend. Unter den Gästen finden sich namhafte Edelmänner, wie Phillip zu Homburg, Ritter Kunibert, Ritter Gottfried von Bouillon, Ritter Alberich von Hoheneck, Ritter Rudolph von Dietz und Ritter zu Legnano. Auf der Burg herrscht freudige Stimmung, denn Großes steht dem Helfenstein bevor; man erwartet für den kommenden Tag die Ankunft des Erzbischofs von Trier, Richard von Greifenklau.
Diesem ist es nun endlich gelungen, jene lang gesuchten und schon längst für verloren geglaubten Dokumente aufzutreiben, die ein für alle mal die markgräflichen Besitztümer der umliegenden Lande geltend bekunden würden. Also machen sich am andern Morgen die Ritter auf, dem Erzbischof entgegenzureiten und ihn schützend zur Burg zu geleiten. Es kursiert nämlich das Gerücht, daß Tillrich Graf von Nassau, jener teuflische Herrscher und Widersacher des großherzigen Markgrafen, seine Eidgenossen um sich versammelt habe, um erneut geltendes Recht zu brechen.
Schlachten (derer zwei)
Und tatsächlich, gellende Rufe und Schwertgeklirr durchbrechen jäh die friedliche Stille des Waldes, als sich ein Haufen ungestümer Reiter aus dem Hinterhalt auf den friedlichen Zug wirft. Ein wilder Kampf entbrennt, Mann gegen Mann; Morgensterne und Schwerter krachen gegen das eigene Schild, während die eigene Rechte eisenhart die Waffe umfaßt, um den Feind mit Hieb und Stich zu Fall zu bringen. "Dem Markgrafen zum Schutze, dem Tillrich zum Trutze!" So geht es Schlag auf Schlag.
Als die Schlacht zu Ende ist, schauen die Helfensteiner dem abrückenden Feinde verständnislos nach, der, schwer lädiert und hart getroffen, johlend die persönliche "Gedichtesammlung" (ein Schmähbrief an den Nassauer) des Bischofs erbeutet hat. Mit einer Träne schaut der Kirchenmann diesem seinem Kleinod hinterher, während die heldenhaft verteidigte "Wahrheit", die Dokumente, unbeschädigt ihren rechtmäßigen Eigentümer auf der Burg erreichen. Was bleibt ist ein aufgewühlter Waldboden, bald hier geschmückt durch eine abgebrochene Schwertspitze, bald dort durch einen abgerissenen Rockfetzen mit blutiger Borde. Barfuß, mit gebrochenem Stolz und wütender Mine, zieht manch wackerer Krieger von dannen, den Schwertstumpf baumelnd am Gürtel, die Strähne im Gesicht verklebt.
Währenddessen hat auf der Burg Meisterkoch von Bouillon das Mahl bereitet. Doch kaum sitzen die Herren an der langen Tafel, da gellt auch schon der Wache Ruf. Dumpfer Trommelton klingt aus dem Tale empor. Wie ein aufgescheuchter Hühnerhaufen rennen bunte Gestalten zu ihren Waffen, werden die Burgmauern bemannt, harrt man der Dinge, die da kommen. Nur die ganz alten Rittersleut, lassen sich nicht aus der mittäglichen Ruhe bringen, und greifen erst zu ihren Schwertern, als das erste Geschoß berstend in einem Suppenteller landet.
Ein Blick über die Mauer zeigt die komplett aufmarschierte Heerschar des Unholdes, des nassauischen Grafen. Fahnen, Federn und Schilde tragen die Farbe dieser gelben Brut. Noch immer wirbelt der Trommler. Die Ruhe vor dem Sturm. Da teilt sich plötzlich das Herr, und der erste Ansturm auf die Burgflanke beginnt. Pausenlos fliegen Geschosse durch die Luft. Allen heftigen Attacken zum Trotze, hält die Burg samt Besatzung stand. Einzelne Durchbrüche werden zurückgeschlagen und ganz dreiste Lümmel sogar gefangengenommen.
Immer heftiger werden indes die Schläge gegen das Burgtor, lassen es ständig aufs Neue erzittern. Erste Risse und Löcher kündigen schließlich das Unmögliche an. Draußen, kann man erkennen, hat das gesamte feindliche Pack Aufstellung genommen, wartet nur auf den Fall der gewaltigen Planken. Dann, ein gellender Schrei gefolgt durch ein lautes Poltern und Krachen, und das Tor war einmal. Sofort formieren sich Hefensteins Getreue zum Ausfall und stürmen aus dem Tor. Erneut heißt es Mann gegen Mann.
Es ist schließlich die glückliche Hand des Bischofs, dem es gelingt, die beiden Heerführer zu einer Beendigung der blutigen Schlacht zu bewegen. Die vom Kampfesrausch trunkenen und von Haß erfüllten Gesichter zeigen, daß beiderseits bis zum letzten Mann gefochten worden wäre. Doch so einigt man sich nach langem Hin und Her auf die Austragung eines Turniers, welches die Entscheidung über den umkämpften Besitz herbeiführen soll. Auch die unzufriedenen Geister, die sich durch den jähen Abbruch des Kampfes ihres Sieges beraubt fühlen, müssen sich dieses weisen Entschlusses beugen.
Schmähgedicht an den Nassauer
Der Tillerich, der Tillerich,
der ist ein arger Wüterich.
Da kraucht er doch mit seinen Mannen
durch den Westerwälder Tann,
und will dem armen Greifenklau,
von hinten auf den Schädel haun.
Denn dieser hat, von Gottes Genaden,
die ganze Wahrheit aufgeladen.
Doch ebendie nicht hier geschrieben,
ei, ei, wo ist sie denn geblieben...?
Dem Tillrich brennt nun Ruf und Ehr,
so steht er da, die Hände leer.
Um ihn herum stehn seine Mannen,
tief enttäuscht durch Schmach und Pannen.
Ja sputen muß man sich oh Graus,
für ein Billet zum Pfingstfestschmaus.
Ritterspiele & Pfingstfest
So kommt es, daß am kommenden Tag ein bunter Heereszug bei strahlendem Sonnenschein von der Burg zum gegnerischen Lager aufbricht, wo die Ritterspiele stattfinden sollen. Ritter, Knappen, Fahnenträger und Trommler, Bogenschützen, die bischöfliche Leibgarde sowie der Erzbischof selbst geben ein entschlossenes Bild, heute die Entscheidung herbeizuführen. Beide Parteien schlagen sich tapfer bei Morgenstern- und Schwertkämpfen, Bogenschießen, Lanzenstechen zu Pferde, Steinwurf und Ringkampf. Doch die Stimmung fängt an sich zu wandeln.
Kelche mit süßem Wein werden gereicht, die Spielleut greifen voll in die Saiten. Für den Abend steht das große Pfingstfest auf der Burg an, zu dem vom Markgrafen nun auch der Nassauer geladen wird. Reichlich wird aufgetischt, Singen und Lachen schallen weit in die Nacht. Der Wein fließt in vollen Strömen und läßt das ein oder andere übermütige Scharmützel mit erhobenem Schwert und rauher Kehle über die gedeckte Tafel fegen. - Nur einer, irgendein Unermüdlicher scheint noch immer nicht begriffen zu haben, und so verschwinden die wertvollen Dokumente noch in dieser Nacht auf unergründliche Weise.
Christoph Marschall
[Fotos]
Siehe auch: Belagerung der "Löwenburg"
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